⚕️ Der Codex-Standard regelt die Kennzeichnung, nicht die individuelle Verträglichkeit.
Was ist der Codex Alimentarius?
Der Codex Alimentarius ist ein internationales Standardwerk für Lebensmittel, entwickelt von FAO (Food and Agriculture Organization) und WHO (World Health Organization). Er definiert weltweit anerkannte Grenzwerte und Definitionen.
Für glutenfreie Lebensmittel gilt der Codex Standard CXS 118-1979, zuletzt revidiert.
Die zwei zentralen Schwellenwerte
„Glutenfrei" — < 20 ppm
Ein Lebensmittel darf als „glutenfrei" gekennzeichnet werden, wenn es weniger als 20 ppm Gluten enthält (= 20 mg Gluten pro kg Lebensmittel).
Dieser Wert beruht auf wissenschaftlichen Studien, die zeigen: bei einer durchschnittlichen Tagesaufnahme von glutenfreien Produkten bleibt die Gluten-Gesamtaufnahme unter dem Schwellenwert, an dem die meisten Zöliakie-Patient:innen Beschwerden bekommen.
„Sehr geringer Glutengehalt" — 20-100 ppm
Lebensmittel mit 20-100 ppm Gluten dürfen als „sehr geringer Glutengehalt" beworben werden — sind aber nicht „glutenfrei" im rechtlichen Sinne.
Beispiel: spezielle Weizenstärke, deren Gluten enzymatisch reduziert wurde. In manchen Brot-Backmischungen verwendet, weil die Backeigenschaften besser sind als bei reiner Mais-/Reisstärke.
Wichtig: Für strikt reagierende Zöliakie-Patient:innen sind diese Produkte tendenziell nicht geeignet. Für viele andere ok in moderater Menge. Im Zweifel mit der Ernährungsfachkraft besprechen.
EU-rechtliche Umsetzung
Der Codex-Standard wurde in der EU durch die Verordnung (EU) Nr. 828/2014 umgesetzt. Sie ist seit 20.07.2016 verbindlich.
Konkret:
- „glutenfrei" → < 20 ppm — EU-weit einheitlich geschützt
- „sehr geringer Glutengehalt" → 20-100 ppm — EU-weit einheitlich geschützt
- Andere Auslobungen („gluten-arm", „weizenfrei", „dinkel-arm" etc.) → rechtlich nicht definiert, daher kein Vertrauenssignal
Warum 20 ppm und nicht 0 ppm?
Drei Gründe:
1. Messgenauigkeit: Analyseverfahren (ELISA R5) detektieren zuverlässig erst ab Werten um 5-20 ppm. Unter 5 ppm wird die Messung ungenau.
2. Kreuzkontamination ist real: Selbst in einer „Glutenfrei-only"-Fabrik können minimale Spuren aus Rohstoffen kommen.
3. Klinische Studien zeigen: bei < 20 ppm Tagesaufnahme treten bei den meisten Z.-Patient:innen keine signifikanten Schäden auf.
Wann der Codex-Standard NICHT reicht
- Bei „supersensiblen" Patient:innen (ca. 5-10 % der Zöliakie-Diagnostizierten) — sie reagieren auch noch auf Werte unter 20 ppm. Für diese Gruppe ist GFCO (< 10 ppm) oder die individuelle Auswahl von „kreuzkontaminations-freien" Marken sinnvoll.
- Bei Kindern in der Wachstumsphase — strenger Konsens empfiehlt hier ein zusätzliches AOECS-Siegel als Sicherheits-Puffer.
- Bei aktiver Erkrankung (Antikörper noch erhöht, Symptome noch da) — solange Du noch nicht vollständig auf glutenfrei umgestellt bist, möglichst zertifizierte Produkte wählen.
Was Zölio macht
Wenn Du in den Einstellungen Dein Sensitivitätsprofil wählst:
- Standard-Modus: < 20 ppm = grünes Licht
- Strenger Modus: < 10 ppm + AOECS oder GFCO-Siegel erforderlich = grünes Licht
- Kinder-Modus (V2): nur AOECS- oder DZG-zertifizierte Produkte für vollen Vertrauens-Score
So bekommst Du eine Ampel, die zu Dir passt — nicht die statistische Mehrheit.